Ambivalente Bindungsstörung

Häh? War so ziemlich meine erste Reaktion darauf und ich habe die Suchmaschinen rund laufen lassen um herausfinden zu können was damit gemeint ist. Meine ersten Ergebnisse führten dazu, dass ich ehrlich gesagt dachte, dass der liebe Therapeut meines Kindes wohl falsch lag. Natürlich hab ich ihn gefragt und es mir selbst erklären lassen wie er zu dieser Diagnose kam, die mir so falsch vorkam. Was es nun bedeutet lass ich jeden selbst herausfinden mit der Suchmaschine eurer Wahl, denn ich weiß beim besten Willen nicht, wie ich es erklären soll.

Aber zum Anfang...

Eigentlich weiß ich gar nicht, wo der Anfang liegt. Vielleicht kennen einige von euch es ja. Ich war schwanger und wusste nicht was ich tun sollte. Eigentlich hatte ich mir ein Kind gewünscht bzw. ein zweites. Wenn das überhaupt richtig ist. Ich hatte eines schon und mit meinen Ehemann wollte ich eines noch. Für mich ein zweites für ihn ein eigenes. Natürlich hatte er mein erstes wie sein eigenes geliebt und der Wunsch nach einem zweites war nach unserer Hochzeit quasi die Sahne.

Der Wunsch wollte sich allerdings nicht als so einfach zeigen wie es den Anschein hatte. Gelang es mir bei meinem ersten Kind beim ersten Versuch es gleich umzusetzen wolle es uns doch so nicht gelingen. Was macht man? Richtig man geht zum Arzt und fragt um Hilfe. Dieser meinte allerdings, dass die Hormone sich nach der Geburt des ersten Kindes so verändert hatten, dass es nicht wieder alleine gehen würde. Man reichte uns nett lächelnd, ohne den Hauch einer Untersuchung, eine Karte zu einer spezialen Klinik.

Natürlich machten wir einen Termin aus, damit wir weitersehen konnten und uns sicher sein konnten, ob es wirklich nicht ohne Hilfe ging. Immerhin ging man ja davon aus, dass die dann wenigstens Untersuchungen machten. Es passierte das Wunder. Ich war schwanger und total happy. Für uns konnte es immerhin nichts schöneres zu diesem Zeitpunkt geben. Meinen Frauenarzt wollte ich nicht und nach einer Empfehlung ging ich zu einem anderen um mir das bestätigen zu lassen.

Irgendwie fing da allerdings der Albtraum an. Eine Untersuchung zeigte die Schwangerschaft, aber leider auch die Tatsache, dass es dort kein Leben gab. Die Entwicklung hatte aufgehört und im Grunde kann man sagen der Embryo war tot. Natürlich passiert so etwas öfter, als es den Frauen lieb sein mag. Für uns war das allerdings der Anfang vom Ende, auch wenn wir es noch nicht wussten. Die Ehe hielt den Druck nicht aus. Mein Ehemann wurde aggressiv und ich verschlossener. Wir hatten uns geschworen, dass wir in Guten wie in Schlechten Zeiten zusammenhalten würden.

Reden wir nicht drüber. Wir zogen es länger hin, als es wohl gut war und wollten nicht aufgeben. Gerade in dem Moment wohl es wohl bloß eine Frage der Zeit war, dass einer es beendet wurde ich wieder schwanger. Nur wenige Monate nach dem Verlust, der uns so zerstört hatte. Mit Angst ging man wieder zum Arzt und ja. Da war wieder eine Schwangerschaft und bis zu dem Status war auch alles in Ordnung.


Ein wenig fühlte ich mich wie in einem Schwebezustand. Wo alles verloren schien bekamen wir eine neue Chance und doch war da diese markante Angst, die einen lähmte. Was ich aber nicht sah, war das es an einem Punk zu spät war. Mein Mann war einfach nicht mehr der Mann den ich geheiratet hatte. Nicht der Mann vor dem Verlust. Natürlich konnte ich das auch nicht erwarten. Ich hatte bis dahin viel durchgemacht. Seine Aggressionen hatten ein Level erreicht dass schon längst nicht mehr nur etwas mit Wut, sondern auch mit Gewalt zu tun hatte.

Das die Ehe ein Ende erreicht hatte kam von meiner Seite daher nicht aus dem nichts. Sondern hatte mich geprägt. Trotzdem hatte ich die blinde Hoffnung, dass es sich mit der Schwangerschaft wieder ändern würde. Ich wurde in meinen Erwartungen enttäuscht. Er verletzte mich wieder und das kurz nachdem der Arzt uns eigentlich neue Hoffnung gegeben hatte. Die Blindheit fand ihr Ende und ich beendete es. Aus Angst, dass es nicht aufhören würde. Das er es irgendwann so übertreibt und das Baby verletzen könnte. Es war etwas anderes für mich, als es nur um mich ging, aber nun hatte ich einfach Leben in mir, dass ich schützen musste. Für viele Menschen in meinem Umfeld war das eine späte Einsicht.

Da war ich nun. Allein mit einem Kind und ein zweites unterwegs. Irgendwie setzte einfach die Angst ein. Ich war allein und würde ich es schaffen mit zwei Kindern? Was würde nun die Zukunft für mich bereithalten. Ich bekam regelrecht Panik beim Gedanken an die Zukunft, weil ich nicht wusste was passieren würde. Angst die weit genug ging, dass ich mit meiner Familie sprach und die mir ihre Unterstützung versprachen mit dem Leitsatz „Überlege es dir gut, denn du weißt nicht, ob du danach eine Chance bekommst.“

So ging ich meinen Weg. Der Kronprinz kam nach einer stressigen Schwangerschaft wenige Tage früher als erwartet zur Welt. Oh Gott was für eine Geburt. Sie ging schnell, aber so ohne Schmerzmittel war es schon verdammt hart. Ich war nur noch kaputt. Die erste Geburt hatte mich vor Glück weinen lassen und diese hat in mir das Verlangen geweckt nur noch zu schlafen. Nicht das ich es konnte, denn irgendwo musste man das kleine Wunder doch immer angucken um sich sicher zu sein, dass der lange, mit Steinen gesäte, Anwälte und vor allem tränenreiche Weg sich gelohnt hatte.

So einfach war dann aber doch nicht. Koliken wieder und dazu ein Schreikind. Nicht einfach, aber dass kennen viele. Am ruhigsten war er aber immer bei Mama. Es folgten eine Verengung in der Herzarterie, auffälliges Verhalten bei dem er anfing überall seinen Kopf gegen zu schlagen und so einiges mehr. Er wirkte immer überdreht und einfach anders. Natürlich ist jedes Kind anders, aber man bekam einfach das Gefühl, dass etwas anders war. Nur konnte ich nicht erkennen was es war.

Durch die Sache mit seinem Herzen wollte ihn irgendwie nie einer ohne mich bei sich haben. Nicht mal kurz, weil sie Angst hatten, dass gerade bei ihnen etwas passieren könnte. Für mich irgendwie verständlich, obwohl ein Teil von mir schon dachte, dass die sich alle anstellen immerhin war ich auch allein damit und war nicht in ständiger Panik.

In der Kippe ging es irgendwie dann noch immer. Sein Verhalten war auffällig, aber eine Erzieherin meinte, dass legt sich und die nächste wollte ihn in eine extra Gruppe bringen, obwohl er nicht die angeblichen Voraussetzungen erfüllte. Trotzdem schaffte er es in den Kindergarten wo wer auffälliger wurde je älter er wurde.

Er schien gar keine Grenzen zu kennen, obwohl ich ihm die setze. Immer öfter kam der Vorwurf auf, dass ich in der Erziehung versagen würde und ihm alles durchgehen ließ. Totaler Schwachsinn, denn ich erzog ihn genau wie meine Tochter zuvor. Aber wie ist das wenn man immer etwas gesagt bekommt? Immer wieder? Man fängt an daran zu glauben und an sich selbst zu zweifeln. Sucht die Fehler bei einem selbst und muss mit ansehen wie alles schlimmer wird und einen immer mehr entgleitet. Alle Ratschläge versuch man verzweifelt zu verfolgen, aber nichts funktionierte und die Schuld wurde weiter mir gegeben.

So versuchten wir verzweifelt einen Therapeuten zu finden, der uns helfen konnte. Der erste sprach kaum mit uns, sonder schoss gleich: „Sie haben Übergewicht und deswegen ist er so.“ Gut gesagt fühlte ich mich mächtig verarscht dabei. Ich fühlte mich nicht unwohl bis dato und konnte/ wolle den Zusammenhang nicht verstehen. Trotzdem setzte einen so eine Aussage zu. Wieder war ich Schuld daran.

Der Kindergarten kam nicht mehr klar, ich verzweifelte und alles schien schief zu gehen. Endlich fanden wir jemanden, der ihn behandeln wollte und es ernst nahm. Nach Sitzungen und Gesprächen kam es zu der Nennung des Problems.

Jetzt versuche ich damit zu Leben und ihm zu helfen. Daher dieser Block. Es ist alles nicht so einfach und man brauchte seine Chance es sich von der Seele zu reden und vielleicht findet man jemanden, der das auch kennt. Vielleicht selbst mit der Diagnose lebt, oder Erfahrung damit hat.


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